Donnerstag, 27. Juli 2017
Wenn belastende Erfahrungen nachwirken
 

- Wenn belastende Erfahrungen nachwirken -


Das menschliche Gehirn hat seine Grenzen. Wenn unvorbereitet viele extreme Stresssituationen zusammen kommen, die mit Entsetzen, Ängsten und Hilflosigkeit einhergehen, werden die eigenen Erfahrungswerte und Verarbeitungsmöglichkeiten überflutet. Dann laufen im Stammhirn Verarbeitungsmuster ab, die nicht bewusst steuerbar sind und das Erlebte wird mit all seinen Sinnen nicht als vergangen und abgeschlossen verarbeitet, sondern es bleibt zunächst präsent.

 

Diese Vorgänge laufen bei Opfern und Zeugen von Gewalttaten und Unfällen genauso ab, wie bei Polizeibeamten. Einsatzkräfte sind ganz normale Menschen mit einem außergewöhnlichen Beruf.

Nach extrem belastenden Erlebnissen können unterschiedliche Symptome auftreten, die Betroffene oftmals nicht einschätzen können, sie verunsichern und irritieren. Das sind normale Reaktionen eines gesunden Menschen auf ein unnormales Ereignis. Sie sind nicht mit psychischen Erkrankungen gleichzusetzen und treffen keine Aussage über die Belastbarkeit von Mitarbeitern. Der Mensch verfügt über umfangreiche Selbstheilungskräfte, die uns helfen das „Überwältigende“ zu verarbeiten.

 

Im unmittelbaren Umgang mit normalen Belastungsreaktionen werden jedoch Weichen gestellt, die die eigene Verarbeitung unterstützend begleiten oder  aber auch zusätzlich erschweren können.

Als gesicherte „Negativfaktoren“ wurden Schuldzuweisungen, frühe Kritik, lange Dienstzeiten, unkontrollierbare Bereitschaftszeiten, fehlende Aufgabenentlastung und das „Ankämpfen“ gegen die Symptome nachgewiesen.

 

Wertschätzung der Person, Anerkennung des Erlebten, empathisches Zuhören, einfach Da-sein und die nötige Aufklärung… diese Maßnahmen schaffen Akzeptanz, helfen bei der Verarbeitung und verringern gleichzeitig das Risiko chronischer Erkrankungen, wie z.B. einer Posttraumatischen Belastungsstörung, Depressionen sowie Abhängigkeitserkrankungen.

 

Täglich machen Einsatzkräfte Erfahrungen, die bereits für den Großteil der Bevölkerung eine „Ausnahmesituation“ darstellen. Sie haben sich freiwillig und mit ausgeprägtem Hilfsgedanken für diese Aufgabe entschieden. Aufgabe von Staat und Führung ist es, die nötigen Rahmenbedingungen zu gewährleisten, die dieser anspruchsvollen Herausforderung gerecht werden und gleichzeitig zur Gesunderhaltung der Beschäftigten im Sinne eines funktionierenden Arbeitsschutzes beitragen.

 

Sich Zeit nehmen und dem Betroffenen die nötige Zeit geben  –  wenn der Mensch im Mittelpunkt steht und es von Herzen kommt, kann man nicht  viel falsch machen.

 

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Mittwoch, 26. Juli 2017
Bitte, höre mir zu
Bitte, höre mir zu!

Wenn ich dich darum bitte, mir zuzuhören,

und du dich aber bemühst, mir Ratschläge zu erteilen,

dann hast du weder verstanden, worum ich dich gebeten habe, noch was ich jetzt brauche.

Wenn ich dich darum bitte, mir zuzuhören,

und du dich aber bemühst, mir zu erklären, ich dürfte nicht so fühlen,

dann trittst du auf meinen Gefühlen herum.

Wenn ich dich bitte, mir zuzuhören,

und du dich aber bemühst, meine Probleme zu lösen,

dann hast du mich nicht verstanden und du bist weit weg von mir.

 

Bitte, höre mir doch zu!

Alles, worum ich dich bitte ist,

erzähle mir nichts und tue auch nichts,

höre mir einfach nur zu!

 

Ratschläge sind billig zu haben, Horoskope und Ratgeber gibt es am Zeitungsstand.

Ich kann sie mir kaufen, denn ich bin nicht hilflos!

Ich bin vielleicht entmutigt und mir fehlt es an Klarheit, aber hilflos bin ich nicht!

Wenn du aber etwas für mich tust, was ich selbst für mich tun kann und auch tun muss, dann trägst du dazu bei, dass ich ängstlich und schwach erscheine.

Wenn du es aber einfach als eine schlichte Tatsache akzeptierst, dass ich so fühle wie ich fühle, egal wie irrational es dir auch erscheinen mag,

dann kann ich aufhören, an dich zu appellieren, und kann beginnen zu verstehen, was geschehen ist.

 

Wenn du das verstanden hast, dann kann ich verstehen, was geschah, und dann werden sich auch Antworten einstellen.

 

Vielleicht hilft deshalb manchen Menschen das Gebet,

weil Gott schweigt und keine Ratschläge gibt,

weil er geduldig darauf warten kann, dass wir selbst die Antworten finden.

 

Also, bitte höre mir zu.

Und wenn du dann sprechen willst, dann verspreche ich, dir zuzuhören.

 

(aus der Betreuungsarbeit der Polizei San Francisco)

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